Die alte Frau und Weihnachten

Beim Eingang der Supermärkte ist heute aus einkaufspsychologischer Sicht die Gemüseabteilung eingerichtet. Dort sah ich die alte Dame zum ersten Mal mit ihrem zugepressten Mund, den müden Augen, dem versteinerten Gesicht, den grauen Haaren, etwas pummelig, eine schwarze Jacke hat sie getragen und schaute suchend auf das Obst. Sie stand etwas abseits, als wollte sie den Strom der einkaufswütigen Rentnerpärchen nicht behindern. 

Später bei Käse und Milchprodukten begegnete ich ihr wieder. Kein Zug in ihrem Gesicht hatte sich verändert. In ihrem Einkaufswagen sah ich neben einem Netz Orangen nicht viel. 

Sie ist wohl alleine – ging mir nur kurz durch den Kopf. Doch auch ich hatte einen knappen Zeitplan und noch viel zu erledigen. Warum habe ich sie nicht angesprochen, so rein zufällig oder aus versehen ihren Wagen gestupst, nur um ein Gespräch zu beginnen, weil auch ich nur meine eigene Geschäftigkeit im Sinn hatte. Dabei ist doch jede Seele die uns begegnet ein Spiegel in den wir schauen. 

 

Sicher hat sie sich noch eine Weile länger in dem Markt auf gehalten, denn sie hatte offensichtlich keine Eile. Wohin auch sollte sie gehen, als wieder nach Hause um dort alleine vielleicht auf eine bestimmte TV Sendung zu warten!?

 

Ich stelle mir ihr zuhause vor in einem Wohnblock, wo kaum ein Nachbar den anderen kennt. 

Wo es keinen kümmert ob du alleine bist, oder in Gesellschaft. Wo schon ein „guten Tag“ nicht mehr selbstverständlich ist. 

 

Sind wir denn alle emotional verkümmerte Wesen geworden, die sich nur noch wie Marionetten bewegen. An der kurzen Schnur des Konsums zappeln, immer mehr, immer schneller, immer einsamer? Mit mehr Freunden im www als im realen Leben. 

Traurig aber wahr. Selbst ich hier im Dorf kenne nicht einmal mehr meine Nachbarn. Die alten schon noch, aber die andern, die das Haus über der Straße gekauft haben und dort schon seit ein paar Jahren wohnen, mit denen habe ich noch nicht einmal ein Wort gewechselt. 

 

Ich habe mir etwas vorgenommen: Wenn ich einkaufen gehe dann lächle ich – ist zwar bei mir schwer zu erkennen, aber dennoch tue ich es. Es gelingt mir nicht immer, aber meistens. 

Ich versuche die Menschen anzuschauen, statt weg zu sehen. Manchmal erwische ich ihre Blicke und ein kleines Lächeln wird erwidert.

 

Aber warum um alles in der Welt sind ausgerechnet in der Weihnachtszeit, wenn es auf „das Fest der Liebe“ zugeht alle so sehr mit sich selbst beschäftigt (mich eingeschlossen) Da sortieren die Familien die Tiefkühlgänse in der Theke um das beste Stück zu ergattern, andere arbeiten ihre Einkaufsliste hektisch ab als ob es in absehbarer Zeit nichts mehr zu essen gäbe. 

 

Keiner bemerkt die alte Frau, die ganz langsam ihren Einkaufswagen füllt, denn sie hat wohl auch über die Festtage keinen Besuch zu erwarten. Doch halt, ich erinnere mich, sie hatte ein paar Packungen Pralinen bei ihren Waren. Vielleicht für den Briefträger oder den Jungen der ihr den Müll raus bringt oder die Frau die Ihr beim Fenster putzen hilft. 

 

Meine Familie ist sehr anstrengend und für heutige Verhältnisse wahrscheinlich auch sehr groß. Aber so unterschiedlich wir auch sind, wir treffen uns, Alte und Junge, am Heilig Abend. Mehr als ein paar Stunden sind es nicht und doch ist es ein toller Austausch. 

 

Später am Abend sind dann die Oldies (die sich zum Glück noch haben) und wir Nachkömmlinge in unseren Kleinfamilien. 

 

Wir, meine 3 erwachsenen Kinder und mein kleiner Sohn, haben es uns schon seit vielen Jahren angewöhnt Freunde einzuladen, die sich zuhause nicht wohl fühlen, oder kein rechtes zuhause haben… aber an alte Menschen die einsam sind, haben wir noch nie gedacht. 

 

Vielleicht war diese alte Dame im Supermarkt genau deshalb da um mich darauf aufmerksam zu machen, was wir vergessen.... wir Alle, nicht nur wir in unserer Familie.

 

Es gibt so viele Menschen die eine lange Geschichte haben, einen Mann und Kinder hatten, für die sie sorgten und nun sind alle weg. Die Jungen zu beschäftigt, die Alten gestorben, nur ein Mensch ist zurück geblieben und alleine. 


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